Die Streitkräfte Burkina Fasos haben laut einem umfassenden Bericht von Human Rights Watch (HRW), der am Donnerstag veröffentlicht wurde, systematisch Fulani-Zivilisten ins Visier genommen – was als ethnische Säuberung gewertet werden kann. Der Bericht dokumentiert 1.837 zivile Todesopfer zwischen Januar 2023 und August 2025, wobei Regierungstruppen und verbündete Milizen für mehr als 1.200 dieser Tötungen verantwortlich sind.
Der 250-seitige Bericht mit dem Titel „Niemand kann entkommen“ präsentiert Erkenntnisse aus Interviews mit über 450 Personen in fünf westafrikanischen Ländern sowie die Überprüfung von 57 Vorfällen mithilfe von Satellitenbildern und audiovisuellen Beweisen. HRW-Forscher fanden heraus, dass die Streitkräfte Burkina Fasos und die „Freiwilligen zur Verteidigung des Vaterlandes“ (VDPs) – regierungsnahe Milizen – Fulani-Gemeinden systematisch unter dem Vorwand von Antiterroroperationen angriffen.
Bei einem der tödlichsten dokumentierten Vorfälle töteten Militärkräfte und verbündete Milizen im Dezember 2023 mehr als 400 Zivilisten in 16 Dörfern nahe der nördlichen Stadt Djibo. Die Angriffe folgten einem Muster, bei dem Fulani-Gemeinden aufgrund angeblicher Verbindungen zu dschihadistischen Gruppen ins Visier genommen wurden.
Als wir merkten, dass die Patrouille kam, versuchten wir alle zu fliehen, aber sie haben uns am Ausgang von Solenzo abgefangen. Daraufhin haben Armee und VDPs auf alle geschossen. Es gab über 100 Tote, Männer, Frauen und Kinder. Ich habe sieben Familienmitglieder verloren, darunter meinen älteren Bruder, meinen 80-jährigen Vater, meine Mutter und zwei Cousins.
Überlebender des Angriffs in Solenzo — RFI
Die Untersuchung dokumentierte zudem Kriegsverbrechen der mit al-Qaida verbundenen Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wa al-Muslimin (JNIM), die große Teile des burkinischen Staatsgebiets kontrolliert. Alle Konfliktparteien wurden für vorsätzliche Tötungen, Angriffe auf Zivilisten, Plünderungen und Zwangsumsiedlungen verantwortlich gemacht.