Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen ambitionierten Plan für die großangelegte Rückkehr syrischer Geflüchteter vorgestellt. Demnach sollen etwa 80% der mehr als 900.000 in Deutschland lebenden Syrer innerhalb der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren. Die Ankündigung erfolgte während eines hochrangigen Treffens mit Syriens Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa in Berlin – es war der erste offizielle Besuch des syrischen Staatschefs im Westen seit seiner Amtsübernahme.
Der Vorschlag markiert einen deutlichen Kurswechsel in Deutschlands Umgang mit syrischen Geflüchteten, die während der europäischen Migrationskrise 2015–2016 unter der Führung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel in großer Zahl nach Deutschland kamen. Viele dieser Geflüchteten haben sich seitdem in die deutsche Gesellschaft integriert, einige sogar eingebürgert, was den Zeitplan für die Repatriierung besonders ambitioniert erscheinen lässt.
Das war auch der Wunsch von Präsident Sharaa. Diejenigen Syrer, die in Deutschland bleiben und gut integriert sind, werden in Deutschland bleiben können.
Friedrich Merz, Bundeskanzler — Daily Sabah
Die deutsche Regierung plant, bei der Rückkehr bestimmte Gruppen zu priorisieren, insbesondere solche ohne gültige Aufenthaltstitel und Personen mit Vorstrafen. Merz betonte, dass etwa 10.000 Syrer derzeit keine ordnungsgemäßen Papiere besitzen, was etwa 1% der gesamten syrischen Bevölkerung in Deutschland entspricht. Der Kanzler forderte die dringende Rückführung der von ihm als „problematische Gruppe“ bezeichneten Syrer mit kriminellen Hintergründen.
Um die Repatriierung zu unterstützen und den Wiederaufbau Syriens voranzutreiben, hat Deutschland in diesem Jahr über 200 Millionen Euro für Stabilisierungsmaßnahmen zugesagt. Die Regierung richtet eine Taskforce ein, die die Wiederaufbauhilfe koordinieren soll. Dabei werden Rückkehrende als wertvolle Beitragende zum Wiederaufbau ihres Heimatlandes gesehen, da sie während ihres Aufenthalts in Deutschland Fähigkeiten und Erfahrungen gesammelt haben.
Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk stellt das Treffen als Teil breiterer Diskussionen über die Beschleunigung der Rückkehr syrischer Geflüchteter dar. Die Berichterstattung konzentriert sich auf die diplomatischen Aspekte und die Zusammenarbeit bei Wiederaufbauprojekten zwischen beiden Ländern.
Ein türkisches Medium berichtet umfassend und betont die gegenseitige Übereinstimmung zwischen deutscher und syrischer Führung. Die Berichterstattung hebt Deutschlands Engagement für den Wiederaufbau Syriens und die Ermöglichung freiwilliger Rückkehr hervor.
Die spanische Berichterstattung konzentriert sich auf den Zeitplan und die Priorisierung des Repatriierungsplans. Das Medium unterstreicht Merz‘ Absicht, die Rückkehr zu beschleunigen, insbesondere bei Personen ohne gültige Aufenthaltspapiere.
Der niederländische öffentlich-rechtliche Rundfunk thematisiert die Diskrepanz zwischen Merz‘ Erwartungen und dem aktuellen Wunsch syrischer Geflüchteter, in Deutschland zu bleiben. Die Berichterstattung betont die Skepsis gegenüber der Machbarkeit des 80%-Ziels angesichts der aktuellen freiwilligen Rückkehrraten.
Sie können sich auf die Unterstützung Deutschlands auf dem Weg in eine strahlende Zukunft verlassen
Friedrich Merz, Bundeskanzler — Daily Sabah
Der Plan steht vor erheblichen Herausforderungen, da aktuelle Daten zeigen, dass 94% der Syrer in Deutschland vorhaben, im Land zu bleiben. Seit dem Sturz Assads sind bis November 2025 lediglich 6.500 Menschen freiwillig nach Syrien zurückgekehrt. Kritiker innerhalb von Merz‘ Koalition, insbesondere aus der SPD, betonen den wirtschaftlichen Wert, den syrische Geflüchtete für den deutschen Arbeitsmarkt bringen.
Merz‘ Vorschlag scheint darauf abzuzielen, den Einfluss der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland einzudämmen, die die Abschiebung von Millionen Migranten fordert. Doch selbst innerhalb seiner eigenen Partei äußern einige Funktionäre Zweifel an der Machbarkeit einer solchen großangelegten Rückkehr, da Syrien weiterhin mit Herausforderungen und schlechten Lebensbedingungen kämpft.
Der deutsche Kanzler betonte, dass gut integrierte Syrer – darunter auch medizinisches Fachpersonal, dessen Fähigkeiten Deutschland zugutekommen – willkommen bleiben könnten. Zudem forderte er al-Sharaa auf, dafür zu sorgen, dass Syrien für alle Bürger unabhängig von Religion, Ethnie oder Geschlecht inklusiv wird. Dabei unterstrich er, dass Gewalt gegen Minderheiten enden müsse.