Ein russischer Öltanker mit 730.000 Barrel Rohöl hat Kuba erreicht und markiert damit die erste Öllieferung an die kommunistisch regierte Insel seit drei Monaten. Die *Anatoly Kolodkin*, ein sanktioniertes Schiff, legte im Hafen von Matanzas an, nachdem sie am 8. März den russischen Ostseehafen Primorsk verlassen hatte.
Die Lieferung erfolgt vor dem Hintergrund einer schweren Energiekrise in Kuba, die begann, nachdem US-Kräfte im Januar den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro festnahmen. Venezuela war Kubas wichtigster Öllieferant, und Maduros Entmachtung löste landesweite Stromausfälle und Treibstoffknappheit auf der Insel mit 10 Millionen Einwohnern aus.
Russland sieht es als seine Pflicht an, seinen kubanischen Freunden die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen
Dmitry Peskov, Kreml-Sprecher — Kyiv Post
Die Lieferung stellt eine deutliche Kehrtwende in der US-Politik gegenüber Kuba dar. Präsident Donald Trump hatte zuvor drohende Strafzölle auf jedes Land angekündigt, das Rohöl an die Insel liefert, scheint nun aber die Blockademaßnahmen zu lockern.
Kuba ist erledigt. Sie haben ein schlechtes Regime. Sie haben eine sehr schlechte und korrupte Führung, und ob sie nun ein Öltanker bekommen oder nicht, wird keine Rolle spielen
Donald Trump, US-Präsident — Kyiv Post
Kubas Energiekrise hat schwerwiegende humanitäre Folgen. Gesundheitsbehörden berichten von erhöhten Sterberisiken für Krebspatienten, insbesondere Kinder, aufgrund von Stromausfällen in medizinischen Einrichtungen. Die Inselnation ist seit ihrer kommunistischen Revolution 1959 auf importiertes Heizöl und Diesel zur Stromerzeugung angewiesen.
Moskau positioniert sich in dieser Krise als Kubas Verbündeter. Der Kreml deutete an, dass weitere Öllieferungen folgen könnten. Russische Offizielle erklärten, sie hätten die Tankerlieferung im Voraus mit US-Vertretern besprochen, was auf eine gewisse Abstimmung oder zumindest Information zwischen den beiden Mächten hindeutet.
In der verzweifelten Lage, in der sich die Kubaner nun befinden, können wir natürlich nicht gleichgültig bleiben, daher werden wir weiter daran arbeiten
Dmitry Peskov, Kreml-Sprecher — South China Morning Post
Die Ankunft des russischen Öls unterstreicht die komplexen geopolitischen Dynamiken rund um Kubas Isolation. Während Trump Verständnis für die Energienöte des kubanischen Volkes äußert, betont seine Regierung weiterhin, dass die Regierung der Insel problematisch bleibe. Die Lieferung zeigt zudem Russlands Bereitschaft, US-Sanktionen zu umgehen und Verbündete trotz internationalen Drucks zu unterstützen.
Seit Januar habe Kuba, laut Präsident Miguel Diaz-Canel, keine Öltanker mehr erhalten. Diese russische Lieferung sei daher entscheidend für den unmittelbaren Energiebedarf der Insel. Die Krise hat zu täglichen Stromausfällen geführt und die Treibstoffpreise in die Höhe getrieben, was das tägliche Leben der Kubaner stark beeinträchtigt.