Das russische Justizministerium hat Pavel Talankin, Mitregisseur des Oscar-prämierten Dokumentarfilms "Mr. Nobody Against Putin", als "ausländischen Agenten" eingestuft – nur wenige Tage nach dem Gewinn des Academy Awards in der Kategorie bester Dokumentarfilm. Die Maßnahme stellt die jüngste Eskalation in Moskaus Unterdrückung von Kritikern nach der internationalen Anerkennung des Films dar.

Der 35-jährige Talankin floh 2024 aus Russland und lebt derzeit in Tschechien, wo er an dem Dokumentarfilm arbeitete, der die Indoktrination von Schulkindern in die russische Staatsideologie während des Krieges in der Ukraine dokumentiert. Der Film entstand aus heimlich aufgenommenem Material, das Talankin als Schulvideograf in der Stadt Karabasch in den Ural-Bergen (Region Tscheljabinsk) drehte.

Ich bin zum ersten Mal ein ausländischer Agent, also weiß ich nicht, wie ich reagieren soll. Ehrlich gesagt, habe ich nicht erwartet, [als solcher eingestuft zu werden]. Ich rechnete mit wütenden Kommentaren und negativen Reaktionen, aber nie damit, dass es so weit kommt.

Pavel Talankin — The Moscow Times

Der gemeinsam mit dem US-amerikanischen Filmemacher David Borenstein gedrehte Dokumentarfilm deckt auf, wie russische Schulen gezwungen wurden, unter Schülern Propaganda über den Ukraine-Krieg zu verbreiten. Der Film zeigt Kinder, die patriotische Lieder singen, Reden halten und von Mitgliedern der Gruppe Wagner Waffenunterricht erhalten, die ihnen beibrachten, Minen zu erkennen und mit Schusswaffen umzugehen.

Russlands Gesetz über "ausländische Agenten" ermöglicht es den Behörden, Personen und Organisationen als ausländische Spione einzustufen, wenn sie in "anti-russischen Aktivitäten" involviert sind. Die Betroffenen unterliegen dann strengen Einschränkungen wie Einkommensbegrenzungen, bürokratischen Auflagen und der Pflicht, ihren Status in sozialen Medien zu kennzeichnen. Das Gesetz gilt international als repressives Instrument zur Unterdrückung von Regimekritikern.

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The Moscow Times sieht in der Einstufung einen Teil von Russlands breiter angelegter Unterdrückung unabhängiger Journalisten und Kritiker. Der Fokus liegt auf dem Timing der Maßnahme nach dem Oscar-Gewinn sowie auf Talankins persönlicher Reaktion.