Europa verfügt nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) nur noch über etwa sechs Wochen an Jet-Treibstoffreserven, während die von Iran verhängte Blockade der Straße von Hormus bereits in die siebte Woche geht. Die Schließung dieser wichtigen Schifffahrtsroute hat drei Viertel der europäischen Flugtreibstoffimporte aus dem Nahen Osten abgeschnitten.
IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol warnte, dass bald mit Flugausfällen zu rechnen sei, falls die Lieferunterbrechung anhält. Im monatlichen Ölmarktbericht der Agentur wird die Golfregion als größte globale Quelle für Jet-Treibstoffexporte identifiziert, wobei europäische Raffinerien stark von Rohöl aus dem Nahen Osten abhängig sind.
Die Weltwirtschaft war in den letzten Jahren sehr widerstandsfähig gegenüber Schocks. Diese Widerstandsfähigkeit wird nun erneut auf die Probe gestellt – diesmal durch einen großen Schock. Zwanzig Prozent des Öls und Gases stecken in der Straße von Hormus fest und entziehen damit vor allem Asien, aber auch Europa und anderen Teilen der Welt eine lebenswichtige Ressource.
Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des IWF — The Guardian
Europäische Länder versuchen verzweifelt, alternative Lieferungen aus den USA und Nigeria zu sichern. Die IEA berichtete von einem rasanten Anstieg der US-Jet-Treibstoffexporte, warnte jedoch, dass diese Lieferungen selbst bei vollständiger Ausrichtung auf Europa nur etwas mehr als die Hälfte der verlorenen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen könnten.
Laut Analyse der Agentur könnten physische Engpässe an ausgewählten Flughäfen bereits ab Juni auftreten, falls Europa nicht mehr als 50 % seiner Importe aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Selbst bei einem Ersatz von drei Vierteln der Lieferungen könnten bis August – zur Hauptreisezeit im Sommer – Engpässe entstehen.