Vier große europäische Staaten haben eine gemeinsame Verurteilung der israelischen Gesetzgebung ausgesprochen, die die Anwendung der Todesstrafe deutlich ausweiten würde. Sie warnen, dass das vorgeschlagene Gesetz diskriminierende Bestimmungen enthält, die sich möglicherweise gezielt gegen Palästinenser richten könnten.

Die Außenminister von Frankreich, Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihren Widerstand gegen den Gesetzentwurf zum Ausdruck bringen. Dieser soll am Montag in zweiter und dritter Lesung im israelischen Parlament (Knesset) verabschiedet werden. Die von Israels rechtsextremem Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir vorangetriebene Gesetzgebung würde für bestimmte Straftaten eine obligatorische Todesstrafe einführen.

Wir sind besonders besorgt über den de facto diskriminierenden Charakter des Gesetzes. Die Verabschiedung dieses Gesetzes würde das Risiko bergen, die Verpflichtungen Israels in Bezug auf demokratische Prinzipien zu untergraben.

Gemeinsame Erklärung der europäischen Außenminister — Al Jazeera

Die vorgeschlagenen Änderungen würden, wie UN-Experten beschreiben, ein zweispuriges System für die Todesstrafe schaffen. Im besetzten Westjordanland könnten Militärgerichte Palästinenser nach Militärrecht zum Tode verurteilen, selbst wenn der Tod nicht beabsichtigt war. Gleichzeitig würde die Todesstrafe in Israel und Ost-Jerusalem weiterhin nur nach israelischem Strafrecht bei vorsätzlicher Tötung israelischer Bürger oder Einwohner verhängt werden.

Israel hat seit 1962, als der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann hingerichtet wurde, de facto ein Moratorium für Hinrichtungen aufrechterhalten. Obwohl die Todesstrafe technisch für eine kleine Anzahl von Verbrechen existiert, wurden in den letzten sechs Jahrzehnten keine Hinrichtungen vollstreckt.

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Al Jazeera English
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Al Jazeera stellt die Geschichte in den Kontext der israelischen Diskriminierungspolitik gegenüber Palästinensern. Der Sender betont den Apartheid-Kontext und verbindet die Gesetzgebung mit der anhaltenden Gewalt in Gaza und dem Westjordanland.

🇫🇷France
France 24 English
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France 24 konzentriert sich auf die europäische diplomatische Reaktion und präsentiert die Gesetzgebung als schweren Rückschritt. Der Sender hebt den internationalen Widerstand und die demokratischen Prinzipien hervor, die auf dem Spiel stehen.

🌍International
The New Arab
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The New Arab unterstreicht die diskriminierende Natur des vorgeschlagenen Gesetzes und analysiert detailliert, wie es unterschiedliche Standards für Palästinenser und Israelis schaffen würde. Der Sender betont die Bedenken der UN-Experten hinsichtlich richterlicher Ermessensspielräume.

🇩🇪Germany
Tagesschau
Kritisch

Tagesschau berichtet knapp über die deutschen Bedenken zum diskriminierenden Charakter der Gesetzgebung. Der Sender stellt sie als Bedrohung demokratischer Prinzipien dar und hebt den europäischen diplomatischen Widerstand hervor.

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Auch der Europarat meldete sich gegen die Gesetzgebung zu Wort. Generalsekretär Alain Berset richtete einen direkten Appell an die israelischen Behörden. Er betonte, dass die Organisation die Todesstrafe unter allen Umständen ablehnt, und warnte, dass das vorgeschlagene Gesetz einen deutlichen Rückschritt von Israels langjähriger Praxis darstellen würde.

Der Europarat lehnt die Todesstrafe an allen Orten und unter allen Umständen ab.

Alain Berset, Generalsekretär des Europarats — The New Arab

Menschenrechtsorganisationen haben sich besonders vehement gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen. Amnesty International bezeichnete die Vorschläge zuvor als eine weitere diskriminierende Maßnahme innerhalb dessen, was die Organisation als Israels Apartheid-System beschreibt. Die Organisation argumentiert, dass die härteste Strafe gezielt gegen Palästinenser eingesetzt werden würde.

UN-Menschenrechtsexperten haben Bedenken hinsichtlich der Abschaffung richterlicher Ermessensspielräume im Rahmen der vorgeschlagenen Gesetzgebung geäußert. Sie argumentieren, dass eine obligatorische Strafzumessung Gerichte daran hindern würde, individuelle Umstände, mildernde Faktoren oder angemessene Strafen zu berücksichtigen, die dem jeweiligen Verbrechen entsprechen.

Der Zeitpunkt des Gesetzgebungsvorhabens hat zusätzliche Aufmerksamkeit erregt, da es parallel zu den anhaltenden Militäroperationen in Gaza und der eskalierenden Gewalt im besetzten Westjordanland vorangetrieben wird. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, wird erwartet, dass es umgehend rechtlichen Herausforderungen und einer Überprüfung durch Israels Obersten Gerichtshof ausgesetzt sein wird.