Fast 150 namhafte französische Autor:innen kündigten am Donnerstag an, den Verlag Grasset zu verlassen, nachdem dessen langjähriger Chefredakteur Olivier Nora nach 26 Jahren im Amt plötzlich entlassen worden war.

Zu den prominenten Autor:innen, die den Verlag verlassen, gehören unter anderem Virginie Despentes, Bernard-Henri Lévy, Frédéric Beigbeder und Sorj Chalandon. Nora verließ den Verlag am Dienstag ohne öffentliche Erklärung und wird durch Jean-Christophe Thiery ersetzt, einen engen Vertrauten des Medienmoguls Vincent Bolloré. Dieser kontrolliert Grasset über seine Verlagsgruppe Hachette Livre.

Die Entlassung ist ein inakzeptabler Angriff auf die redaktionelle Unabhängigkeit und die kreative Freiheit.

Austretende Autor:innen — Offener Brief an AFP und Le Monde

Der Massenexodus stellt eine beispiellose Herausforderung für Bollorés wachsenden medialen Einfluss in Frankreich dar. Die Autor:innen werfen dem Milliardär vor, ihre Werke wie persönliches Eigentum zu behandeln und eine ideologische Kampagne zur Durchsetzung von Autoritarismus in der französischen Kultur und den Medien zu führen.

Wir wollen nicht, dass unsere Ideen – unsere Arbeit – zu seinem Eigentum werden. Heute eint uns eine Sache: Wir weigern uns, Geiseln in einem ideologischen Krieg zu sein, der darauf abzielt, Autoritarismus in Kultur und Medien durchzusetzen.

Austretende Autor:innen — Offener Brief

Der literarische Aufstand spiegelt die breiteren Bedenken gegenüber Bollorés Medienstrategie wider. Sein Vivendi-Imperium steht in der Kritik, etablierte Publikationen systematisch nach rechts zu verschieben. Kritiker:innen verweisen dabei auf ähnliche Veränderungen beim Verlagshaus Fayard in den letzten Jahren.

Der Autor Claude Askolovitch verglich Bolloré mit Attila dem Hunnen und sagte gegenüber France Inter, der Medienbaron "kommt, zerstört nach Belieben und korrumpiert". Colombe Schneck bezeichnete Noras Entlassung als "den Funken", der die gemeinsame Aktion auslöste.

Ich habe immer gesagt, dass ich Grasset verlassen würde, wenn Olivier Nora auch nur ein Haar gekrümmt würde. Und meine Position hat sich nicht geändert.

Sorj Chalandon — AFP

Der Zeitpunkt verstärkt die Kontroverse: Bald öffnet die Pariser Buchmesse im Grand Palais, doch Amazon zog bereits im März seine Sponsorenschaft zurück, nachdem französische Buchhändler:innen gegen die Beteiligung des Tech-Giganten protestiert hatten.

Hachette Livre lehnte eine Stellungnahme auf Anfrage von AFP ab. Das Schweigen lässt offen, ob Bollorés Verlagsstrategie weiter nach rechts rücken wird oder ob andere große Häuser ähnliche Autor:innen-Rebellionen erleben könnten.

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