Gennaro Gattuso trat am Freitag als Nationaltrainer Italiens zurück – drei Tage nach dem dritten aufeinanderfolgenden WM-Aus der Squadra Azzurra. Der ehemalige Mittelfeldspieler von AC Mailand beendete damit seine Amtszeit, nachdem Italien am Dienstag in den Playoffs im Elfmeterschießen mit 4:1 gegen Bosnien-Herzegowina verloren hatte. Damit war die Hoffnung auf die Teilnahme an der WM 2026 endgültig dahin.
Der Rücktritt markiert ein turbulentes Wochenende für den italienischen Fußball. Nur einen Tag zuvor hatte Gabriele Gravina als Präsident des italienischen Fußballverbands (FIGC) seinen Rücktritt erklärt, während auch Ex-Torhüter Gianluigi Buffon von seinem Amt als Delegationsleiter zurücktrat.
Mit schwerem Herzen und nachdem wir das gesteckte Ziel verfehlt haben, betrachte ich meine Zeit als Nationaltrainer als beendet. Das Trikot der Squadra Azzurra ist das wertvollste Gut im Fußball – deshalb ist es richtig, von Anfang an eine neue technische Bewertung zu ermöglichen.
Gennaro Gattuso, ehemaliger Nationaltrainer Italiens — BBC
Gattuso war im Juni 2025 als Nachfolger von Luciano Spalletti verpflichtet worden, um die WM-Qualifikationsflaute Italiens zu beenden. Die viermaligen Weltmeister waren zuletzt 2014 bei einer WM vertreten und verpassen nun zum dritten Mal in Folge die Endrunde – eine Premiere für einen bisherigen Weltmeister.
In seiner kurzen Amtszeit gewann Gattuso sechs von acht Spielen, konnte aber die strukturellen Probleme des italienischen Fußballs nicht überwinden. Das Scheitern der Mannschaft spiegelt die größeren Herausforderungen des heimischen Fußballs wider, darunter begrenzte Talentförderung und mangelnde taktische Weiterentwicklung auf höchstem Niveau.
Die BBC stellt die Geschichte als eine einvernehmliche Entscheidung zwischen Gattuso und dem Verband dar und betont seine emotionale Reaktion sowie die institutionelle Krise. Die Berichterstattung konzentriert sich auf mögliche Nachfolger und die beispiellose Serie von WM-Ausfällen Italiens.
France 24 sieht den Rücktritt als direkte Folge des WM-Aus und hebt die systematischen Probleme des italienischen Fußballs hervor. Der Fokus liegt auf der historischen Bedeutung, drei WM-Turniere in Folge verpasst zu haben.
The Japan Times konzentriert sich vor allem auf den Rücktritt des Verbandspräsidenten Gravina und stellt ihn in den Kontext des politischen Drucks nach dem WM-Aus. Die Berichterstattung betont mehr die institutionellen Umbrüche als individuelle Trainerentscheidungen.
Público liefert detaillierten Kontext zu Gattusos Spiel- und Trainerkarriere und deutet seinen Rücktritt als unvermeidbar angesichts des Scheiterns. Der Fokus liegt auf der emotionalen Belastung durch die wiederholten WM-Ausfälle Italiens.
NZZ analysiert die Situation aus einer strukturellen Perspektive und verbindet Italiens Scheitern mit tieferliegenden Problemen wie Talentförderung und Mannschaftszusammensetzung. Der Artikel deutet dies als Symptom für grundlegende Defizite im italienischen Fußball.
Der 48-jährige Gattuso, der während seiner Spielerkarriere 73 Länderspiele für Italien bestritt und 2006 den WM-Titel gewann, zeigte sich tief enttäuscht über das Qualifikationsaus. Seine Trainerkarriere führte ihn zu Stationen bei AC Mailand, Napoli, Valencia und Marseille, doch keine davon brachte den erhofften nachhaltigen Erfolg auf internationaler Ebene.
Italiens Ausscheiden markiert ein weiteres Kapitel im sich wandelnden europäischen Fußball. Die Niederlage im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina – ein Land, das sich noch nie für eine WM qualifizieren konnte – unterstrich, wie sehr traditionelle Fußballnationen Qualifikationen nicht mehr als selbstverständlich betrachten können.
Der FIGC plant für den 22. Juni eine außerordentliche Versammlung zur Wahl einer neuen Führung, während die Suche nach Gattusos Nachfolger sofort beginnt. Im Gespräch sind unter anderem Massimiliano Allegri, aktuell bei AC Mailand, und Roberto Mancini, der Italien 2020 zum EM-Titel führte, bevor er 2023 zurücktrat.
Die Krise geht über personelle Veränderungen hinaus. Die italienische Liga hat Schwierigkeiten, junge Talente zu entwickeln, und ist zunehmend auf ausländische Spieler angewiesen. Dies führt zu einem flachen Talentpool für die Nationalmannschaft und trägt zum internationalen Niedergang des Landes bei.
Wie es mit dem italienischen Fußball weitergeht, ist ungewiss. Der Verband steht unter Druck, strukturelle Reformen umzusetzen, bevor der nächste Qualifikationszyklus beginnt.