Das Schlesische Stadion in Chorzów hat das für den 19. Juni geplante Konzert von Kanye West nach Regierungsdruck abgesagt. Hintergrund sind die antisemitischen Äußerungen des Rappers sowie die Verwendung von NS-Symbolik.
Die polnische Kulturministerin Marta Cienkowska hatte die Buchung bereits scharf kritisiert und gedroht, staatliche Mittel einzusetzen, um West die Einreise nach Polen zu verwehren. Der Veranstalter gab die Absage am Freitag bekannt und verwies auf „formale und rechtliche Gründe“, ohne weitere Details zu nennen.
Wir sprechen hier von einem Künstler, der öffentlich antisemitische Ansichten geäußert, Verbrechen verharmlost und mit dem Verkauf von Hakenkreuz-T-Shirts Profit gemacht hat.
Marta Cienkowska, Kulturministerin — Notes from Poland
Mit Polen reiht sich ein weiteres europäisches Land in die Liste der Staaten ein, die Wests Tournee blockieren. Großbritannien verweigerte ihm die Einreise für das Wireless Festival, was zur kompletten Absage des Events führte. Frankreich verschob sein Konzert in Marseille „bis auf Weiteres“ – ebenfalls aufgrund von Einreiseverbots-Diskussionen.
Westes umstrittene Handlungen umfassen unter anderem die Veröffentlichung des Songs „Heil Hitler“, den Verkauf von Hakenkreuz-Merchandise sowie pro-nazistische Aussagen. Im Februar 2023 begann er, über seinen Online-Shop Swastika-T-Shirts zu verkaufen, bevor die Plattform Shopify den Handel einstellte.
Die BBC stellt dies als Teil einer breiteren europäischen Ablehnung Wests dar und betont die führende Rolle Großbritanniens bei der Verhängung von Einreiseverboten. Ihre Berichterstattung positioniert Großbritannien als Vorreiter im Kampf gegen Antisemitismus in der Unterhaltungsbranche.
Polnische Medien unterstreichen die besondere Bedeutung des Holocaust für Polen und deuten das Eingreifen der Regierung als Schutz der nationalen Würde. Sie heben Polens historische Last hervor und präsentieren die Absage als Verteidigung der Opfer nationalsozialistischer Verbrechen auf polnischem Boden.
Singapurische Berichterstattung liefert sachliche Fakten ohne wertende Kommentare und beschreibt die europäische Welle von Absagen als regionalen Trend. Die Darstellung behandelt dies als diplomatisches und kulturelles Phänomen, ohne Partei zu ergreifen.
Deutsche Medien berichten knapp und sachlich, was darauf hindeutet, dass die Absage aufgrund von Wests Vorgeschichte erwartet wurde. Der zurückhaltende Ton spiegelt Deutschlands eigene komplexe Beziehung zu NS-Symbolik wider, ohne Polens Entscheidung direkt zu kommentieren.
Niederländische Medien berichten ausgewogen über die europäischen Absagen, betonen aber, dass die Konzerte in den Niederlanden stattfinden werden. Sie deuten dies als Frage der nationalen Souveränität, bei der jedes Land eigenständig über Einreisebeschränkungen entscheidet.
Polens Reaktion hat ein besonderes historisches Gewicht. Während des Zweiten Weltkriegs ermordete das nationalsozialistische Deutschland über drei Millionen polnische Juden und betrieb Konzentrations- und Vernichtungslager auf besetztem polnischem Gebiet. Die Verbreitung von NS-Symbolen ist in Polen strafbar und kann mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden.
In einem Land, das von der Geschichte des Holocaust gezeichnet ist, können wir nicht so tun, als wäre das nur Unterhaltung.
Marta Cienkowska, Kulturministerin — Channel NewsAsia
Chorzów selbst hat eine historische Bedeutung, da es zu den ersten polnischen Städten gehörte, die im September 1939 von deutschen Truppen überfallen wurden. Die Auswahl der Stadt für Wests Konzert verstärkte die Kontroverse um seine NS-bezogenen Aussagen.
West entschuldigte sich im Januar in einer Anzeige im Wall Street Journal und betonte, er sei „weder ein Nazi noch ein Antisemit“. Er führte sein Verhalten auf unbehandelte bipolare Störungen zurück und behauptete, während Sorgerechtsstreitigkeiten und finanziellen Auseinandersetzungen „den Bezug zur Realität verloren“ zu haben.
Trotz der europäischen Absagen setzt West seine Tournee fort. In diesem Jahr trat er bereits in den USA und Mexiko-Stadt auf, und in den Niederlanden sind für Anfang Juni zwei Konzerte geplant. Das Gelredome in Arnhem wird die Shows ausrichten, da die niederländischen Behörden keine Einreisebeschränkungen verhängt haben.
Das Eingreifen der polnischen Regierung zeigt, wie sehr Wests Aussagen seine internationale Karriere beeinträchtigen. Unklar bleibt, ob weitere europäische Veranstaltungsorte dem Beispiel Polens folgen oder ob diplomatischer Druck über die aktuellen Absagen hinausgehen wird.