Die Lufthansa Group gab am Donnerstag die sofortige Schließung ihrer Regionaltochter CityLine bekannt – nur zwei Tage nach der Feier zum 100-jährigen Jubiläum der deutschen Fluggesellschaft.
Die Schließung betrifft 27 aktive Flugzeuge und beendet damit Kurzstreckenflüge ab Frankfurt und München. CityLine stellte am Samstag den Betrieb ein, wobei fast alle Mitarbeiter:innen sofort freigestellt wurden.
Lufthansa führt die Entscheidung vor allem auf die seit Beginn des Iran-Konflikts mehr als verdoppelten Kerosinpreise zurück. Der Konzern, zu dem auch Eurowings, Austrian Airlines und Swiss gehören, steht unter massivem Druck durch die gestiegenen Treibstoffkosten und vier Pilotenstreiks seit Februar.
Die angeführten geopolitischen Gründe überzeugen uns nicht, da kein Konkurrent derzeit Kapazitäten in diesem Umfang vom Markt nimmt.
Andreas Pinheiro, Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit — RFI
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte die Entscheidung scharf und warf dem Unternehmen vor, ohne Rücksicht auf die Beschäftigten gehandelt zu haben. Die Gewerkschaft hinterfragte die geopolitische Begründung und verwies darauf, dass keine Mitbewerber ähnliche Kapazitäten vom Markt nehmen.
RFI stellt die Schließung als Folge externer Zwänge – steigende Treibstoffkosten und Streiks – dar, während die Skepsis der Gewerkschaft gegenüber der Begründung betont wird. Das französische Medium hebt den europäischen Luftfahrtkontext hervor und hinterfragt, ob geopolitische Faktoren allein solche drastischen Kapazitätskürzungen rechtfertigen.
Deutsche Medien präsentieren die Schließung als Reaktion auf aktuelle Herausforderungen und fokussieren sich auf die unmittelbaren betrieblichen Auswirkungen, ohne die Entscheidungen des Managements infrage zu stellen. Die Darstellung deutet eine Akzeptanz der wirtschaftlichen Logik an, verweist aber auch auf die breiteren Folgen für den nationalen Luftfahrtkonzern.
Die NZZ charakterisiert die Schließung als überraschend und eskalierend und deutet auf eine Fehleinschätzung des Managements hin. Die Schweizer Perspektive betont, wie die Entscheidung die Arbeitsbeziehungen verschärft, und hinterfragt, ob Lufthansas Premiumpositionierung mit der operativen Realität vereinbar ist.
Lufthansa hatte ursprünglich geplant, CityLine zu schließen und die Strecken auf eine neue Tochtergesellschaft namens City Airlines zu übertragen. Der Zeitplan wurde nun jedoch stark beschleunigt. Das Unternehmen bezeichnete die Maßnahme als schmerzhaften, aber notwendigen Schritt.
schmerzhafter Schritt
Till Streichert, Finanzvorstand der Lufthansa — RFI
Neben der Schließung von CityLine plant Lufthansa weitere Kapazitätsreduzierungen im gesamten Netzwerk. Bis zum Winter werden fünf Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ausgemustert, bis zum Sommerende sechs Langstreckenflugzeuge – darunter vier Airbus A340-600 und zwei Boeing 747-400.
Die CityLine-Flotte bestand aus den ältesten Flugzeugen des Konzerns mit vergleichsweise hohen Betriebskosten. Lufthansa will versuchen, die betroffenen Mitarbeiter:innen in anderen Unternehmen des Konzerns unterzubringen, doch die Gewerkschaft zweifelt daran, dass ausreichend Stellen verfügbar sind.
Die Schließung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Europa mögliche Kerosinengpässe im Sommer befürchtet. Dies erhöht den Druck auf Fluggesellschaften, die bereits mit den Herausforderungen der Post-Pandemie-Erholung und geopolitischen Spannungen kämpfen, die die Treibstoffversorgung beeinträchtigen.