Nigerianische Kampfflugzeuge griffen am Samstagabend einen Wochenmarkt im nordöstlichen Bundesstaat Yobe an und töteten dabei mehr als 100 Zivilisten. Offizielle bestätigten, dass es sich um einen Fehlschlag handelte, bei dem Boko-Haram-Milizen das Ziel waren. Der Angriff traf das Dorf Jilli nahe der Grenze zum Bundesstaat Borno, dem Epizentrum des 15 Jahre andauernden dschihadistischen Aufstands in Nigeria.
Die Schätzungen der Opferzahlen variieren stark. Amnesty International bestätigte nach Gesprächen mit Überlebenden und Krankenhauspersonal mindestens 100 Tote, während lokale Behörden von bis zu 200 Opfern ausgehen. Die Menschenrechtsorganisation berichtete zudem, dass 35 schwerverletzte Personen in nahegelegene Notaufnahmen eingeliefert wurden.
Die Nigerianische Luftwaffe räumte ein, dass in der Region Jilli Operationen gegen Boko-Haram-Milizen durchgeführt wurden, erwähnte in ihrer ersten Stellungnahme jedoch keine zivilen Opfer. Die Militärführung bezeichnete den Ort als wichtigen Transit- und Sammelpunkt für Terroristen und deren Unterstützer.
Einige Menschen aus dem Geidam LGA (Local Government Area), das an das Gubio LGA in Borno grenzt, waren auf dem Wochenmarkt in Jilli unterwegs und wurden getroffen.
Brigadier General Dahiru Abdulsalam, militärischer Berater der Regierung des Bundesstaates Yobe — Reuters
Zeugen berichteten Amnesty International, dass drei Militärflugzeuge das Feuer auf den Markt eröffneten. Die Organisation verurteilte den rücksichtslosen Einsatz tödlicher Gewalt als illegal und skandalös.
The Guardian betont die systematische Natur der zivilen Opfer und verweist auf über 500 Tote seit 2017. Die Berichterstattung stellt dies als Teil umfassender militärischer Versäumnisse dar und konzentriert sich auf Menschenrechtsverletzungen sowie strukturelle Probleme in Nigerias Anti-Aufstandsstrategie. Dies spiegelt Großbritanniens Fokus auf Rechenschaftspflicht in ehemaligen Kolonialgebieten wider.