Der Korruptionsprozess gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu wird am Sonntag fortgesetzt, nachdem das Jerusalemer Bezirksgericht die während des jüngsten Konflikts mit dem Iran verhängten Notfallbeschränkungen aufgehoben hatte.

Das Gericht bestätigte am Donnerstag, dass die richterliche Arbeit wieder normal aufgenommen werde. Dadurch können die langjährigen juristischen Auseinandersetzungen Netanyahus fortgesetzt werden, darunter die Vernehmung eines Zeugen der Verteidigung. Der israelische Militärische Führungsstab für den Heimatfront-Befehl hat die weitreichende Wiedereröffnung der Gerichtstätigkeit in weiten Teilen des Landes nach einer vorübergehenden Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran genehmigt.

Netanyahu sieht sich in drei separaten Korruptionsfällen angeklagt, die 2019 begannen. Zwei der Fälle betreffen Vorwürfe, er habe im Austausch für politische Gefälligkeiten eine günstige Medienberichterstattung israelischer Nachrichtenportale ausgehandelt. Der dritte Fall dreht sich um den Vorwurf, er habe von Milliardären Luxusgeschenke im Wert von über 260.000 US-Dollar angenommen, ebenfalls im Gegenzug für politische Gefälligkeiten.

"Netanyahu ist der erste amtierende israelische Ministerpräsident, der sich einem Korruptionsprozess stellen muss"

Der israelische Regierungschef bestreitet alle Vorwürfe und bezeichnet die Verfahren als politisch motiviert. Er ist der erste amtierende israelische Ministerpräsident, der sich einem Korruptionsprozess stellen muss – eine Situation, die zu beispiellosen verfassungsrechtlichen Spannungen in der israelischen Politik geführt hat.

Die Wiederaufnahme des Prozesses erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Netanyahus Regierung unter breitem politischem Druck steht. Seine Koalition, die als die rechtskonservativste in der israelischen Geschichte gilt, sieht sich potenziellen Herausforderungen bei den für Oktober geplanten Wahlen ausgesetzt. Die Korruptionsvorwürfe sowie die laufenden Militäroperationen haben reportedly seine politische Position geschwächt.

◈ So sieht die Welt diese Nachricht4 perspektiven
Überwiegend Analytisch3 Analytisch1 Kritisch