Die vier Astronauten an Bord der NASA-Mission Artemis 2 traten am frühen Montag in die lunare Einflusssphäre ein. Damit erreichten sie einen entscheidenden Meilenstein, da sich ihr Orion-Raumschiff dem Mond für den ersten bemannten Vorbeiflug seit über fünf Jahrzehnten näherte.

Die Crew – bestehend aus den Amerikanern Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover sowie dem Kanadier Jeremy Hansen – erreichte den Punkt, an dem die Anziehungskraft des Mondes stärker auf ihr Raumschiff wirkt als die der Erde. Ihre Kapsel befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa 346.000 Kilometer von der Erde und 105.000 Kilometer vom Mond entfernt, als sie den fünften Tag der 10-tägigen Mission begannen.

In den frühen Stunden des Sonntags gelangen den Astronauten beispiellose Aufnahmen des Mondbeckens Orientale, einer riesigen Kraterformation, die einem Zielscheibenmuster ähnelt und bisher noch nie direkt von menschlichen Augen beobachtet worden war. Dieses Becken, manchmal auch als der „Grand Canyon des Mondes“ bezeichnet, zählt zu den wichtigsten wissenschaftlichen Beobachtungszielen der Mission.

"Bisher hatten keine menschlichen Augen diesen Krater gesehen – bis heute."

Es ist sehr markant, und bisher hatten keine menschlichen Augen diesen Krater gesehen – bis heute, als wir das Privileg hatten, ihn zu betrachten.

Christina Koch, Artemis-2-Astronautin — Bangkok Post

Der ehemalige Apollo-16-Astronaut Charlie Duke übermittelte der Crew den traditionellen Weckruf für ihren fünften Missionstag und verband so die aktuelle Mission mit dem Mond-Erbe der NASA aus den 1970er-Jahren.

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Der Bangkok Post präsentiert Artemis 2 als triumphale Rückkehr zur Mondforschung und betont den historischen Charakter der Mission sowie die internationale Zusammenarbeit. Die Berichterstattung hebt die Verbindung zur Apollo-Vergangenheit hervor und feiert die vielfältige Zusammensetzung der Crew. Dies spiegelt Thailands generell positive Einstellung gegenüber internationaler Weltraumzusammenarbeit und wissenschaftlichem Fortschritt wider.

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Heise Online nimmt eine technische, faktenorientierte Herangehensweise ein und legt den Fokus auf die ingenieurtechnischen Meilensteine und Systemtests der Mission. Die Berichterstattung entspricht der pragmatischen Perspektive Deutschlands auf die Weltraumforschung und konzentriert sich auf die technischen Errungenschaften und wissenschaftlichen Ziele – weniger auf symbolische oder geopolitische Aspekte. Dies steht im Einklang mit Deutschlands Rolle als wichtiger ESA-Partner.

Die Perspektiven stammen aus echten Schlagzeilen, die von GDELT indexiert wurden — einer globalen Datenbank, die Nachrichten aus über 100 Ländern in Echtzeit verfolgt.

Unten auf dem Mond liegt ein Foto meiner Familie. Ich bete, dass es euch daran erinnert, dass wir in Amerika und auf der ganzen Welt euch anfeuern. Danke an euch und das gesamte Team am Boden, dass ihr mit Artemis unser Apollo-Erbe fortsetzt.

Charlie Duke, Apollo-16-Astronaut — Bangkok Post

Die Flugbahn der Mission folgt einem achförmigen Muster um Erde und Mond. Wenn Orion um die Rückseite des Mondes fliegt, werden die Astronauten den von Apollo 13 im Jahr 1970 aufgestellten Entfernungsrekord brechen. Damals reiste die Crew während ihrer abgebrochenen Mondlandungsmission etwa 400.171 Kilometer von der Erde entfernt.

Die Missionsplaner haben die größte Annäherung an den Mond für Montagabend vorgesehen, wenn sich das Raumschiff bis auf 6.550 Kilometer der Mondoberfläche nähert. Während dieser Phase wird die Crew eine vorübergehende Kommunikationsunterbrechung erleben, da sie hinter dem Mond vorbeizieht. Anschließend werden dramatische Phänomene wie „Earthset“ und „Earthrise“ zu beobachten sein, bei denen die Erde aus ihrer Perspektive verschwindet und wieder auftaucht.

Die Astronauten haben bereits manuelle Steuerungsdemonstrationen durchgeführt und ihre Verfahren für den Mondvorbeiflug überprüft. Dazu gehört auch die Identifizierung bestimmter Oberflächenmerkmale für wissenschaftliche Analysen und Fotografien. Die Missionskontrolle konzentriert sich intensiv auf die Tests der Lebenserhaltungssysteme von Orion – dem ersten bemannten Flug dieses Raumschiffs überhaupt.

Wir konzentrieren uns sehr auf das Ökosystem, das Lebenserhaltungssystem des Raumschiffs. Dies ist das erste Mal, dass Astronauten dieses Raumschiff fliegen. Genau das ist es, woraus wir die meisten Daten gewinnen wollen.

Jared Isaacman, NASA-Chef — Bangkok Post

Der Zeitplan der Crew umfasst auch Tests ihrer leuchtend orangefarbenen Überlebensanzüge, die für Notfälle sowie für Start- und Wiedereintrittsphasen konzipiert sind. Diese Systembewertungen liefern entscheidende Daten für zukünftige Artemis-Missionen, einschließlich der geplanten Mondlandung, die Menschen wieder auf die Mondoberfläche bringen soll.

Die Mission markiert gleich mehrere historische Premieren: Koch wird die erste Frau auf einer NASA-Mondmission sein, Glover der erste schwarze Astronaut, der zum Mond reist, und Hansen der erste Kanadier, der die Erdumlaufbahn verlässt. Ein erfolgreicher Abschluss des Mondvorbeiflugs würde die Systeme von Orion für nachfolgende Missionen validieren, die darauf abzielen, eine nachhaltige Präsenz auf dem Mond zu etablieren.

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